Beschreibung
Während der internationale Kontext von dramatischen Konflikten, Kriegen und geopolitischen Spannungen geprägt ist, ertönt von dem 2.700 Meter hohen Presena-Gletscher am Passo Paradiso eine eindringliche und kraftvolle Botschaft des Friedens und der Brüderlichkeit. Die Nachkommen derer, die im Ersten Weltkrieg gegeneinander kämpften, kamen heute erneut Seite an Seite zusammen, um gemeinsam dort, wo einst Menschen starben, für die Gefallenen zu beten und daran zu erinnern, dass keine Art von Krieg jemals gerecht ist. Heute fand das 49. Fest der Brüderlichkeit statt, die jährliche Veranstaltung, bei der italienische und österreichische Delegationen an den Orten zusammenkommen, die vor mehr als einem Jahrhundert während des Ersten Weltkriegs Schauplatz blutiger und kräftezehrender Kämpfe waren.
An der vom „Museo della Guerra Bianca“ in Vermiglio in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Vermiglio, der Region Trentino-Südtirol/Alto Adige, der Autonomen Provinz Trient und den Institutionen der Euregio organisierten Veranstaltung nahmen Kriegsveteranenverbände, Alpini, Kaiserjäger, Kaiserschützen und Schützen sowie die Abordnungen der österreichischen Gemeinde Mitterndorf und des Österreichischen Schwarzen Kreuzes teil. Unter den Anwesenden waren der Landesrat für die Förderung der Kenntnisse über die Autonomie Simone Marchiori, der Regionalassessor Carlo Daldoss, der Bürgermeister von Vermiglio Michele Bertolini und der Präsident des Vereins „Museo della Guerra Bianca“ in Vermiglio Achille Serra.
Landesrat Marchiori betonte: „Angesichts der Kriegsnachrichten, die uns täglich aus aller Welt erreichen, bekommt das Zusammenkommen an diesem Ort, um über Brüderlichkeit und Frieden zu sprechen, eine noch dringlichere Bedeutung. An diesen Orten, an denen einst Leid und Spaltung erlebt wurden, beweisen wir heute, dass eine Begegnung immer möglich ist. Der Frieden ist kein statisches Gleichgewicht, sondern eine tägliche verantwortungsvolle Aufgabe. Aus den tragischen Lehren der Vergangenheit zu lernen bedeutet, sich entschlossen für den Weg der Diplomatie, des Zuhörens und des gegenseitigen Respekts zu entscheiden, damit aus dem Gedenken ein konkretes Handeln gegen jede Form von Konflikt wird.“
Der Tag begann mit der Parade am Presena-Gletscher und endete mit der Gedenkfeier und der Hl. Messe, die von der Musikkapelle Ossana Vermiglio und von dem Chor „Santa Maria Assunta“ aus Tassullo musikalisch begleitet wurde. Ein bewegender Schlüsselmoment der Veranstaltung war die feierliche Kranzniederlegung am Denkmal der Brüderlichkeit zum Gedenken an die Gefallenen beider Fronten.
Regionalassessor Daldoss überbrachte die Grüße der Regionalregierung und erinnerte daran, dass die wirksamste Antwort auf die aktuellen geopolitischen Krisen in der Fähigkeit der Gemeinschaften liege, Grenzen zu überwinden und beständige Brücken zu bauen. Die aus den leidvollen historischen Ereignissen hervorgegangene Erfahrung der Euregio sei der Beweis dafür, dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit an die Stelle der Rivalität treten kann. Vom Passo Paradiso gehe die klare Botschaft an Europa und die internationale Diplomatie aus, dass die Brüderlichkeit zwischen den Staaten keine Utopie, sondern eine notwendige politische und menschliche Entscheidung ist, um den kommenden Generationen Stabilität und Perspektiven zu garantieren.
Die vom „Museo della Guerra Bianca“ in Vermiglio in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Vermiglio, der Autonomen Provinz Trient, der Autonomen Region Trentino-Südtirol/Alto Adige und dem „Museo Storico del Trentino“ organisierte und 1977 von dem Alpino Emilio Serra und dem Kaiserjäger Kurt Steiner ins Leben gerufene Veranstaltung ist auch heute noch ein Moment der Begegnung und des gemeinsamen Gebets an jenen Orten, an denen sich vor über hundert Jahren Tausende junger Soldaten gegenüberstanden. In Zeiten vieler internationaler Konflikte und Spannungen stellt das Trentino erneut seine Fähigkeit unter Beweis, einstige Orte des Leids in Räume des Dialogs, der Freundschaft und der Zusammenarbeit zu verwandeln und damit die universelle Botschaft des Friedens zu stärken.
„Die Tatsache, dass Italiener und Österreicher heute gemeinsam auf den Pfaden, die vor über einem Jahrhundert die Tragödie des Krieges erlebten, wandern und innehalten, ist der eindringlichste Beweis dafür, dass man durch den Dialog Gebiete verändern kann“, bekräftigte Bürgermeister Bertolini. „Vermiglio und seine Menschen besinnen sich weiterhin auf ihre Berufung, ein Grenzland zu sein, das nicht trennt, sondern verbindet. Unser inständiger Appell ist, dass das auf diesen Gipfeln entstandene Bewusstsein all jene inspirieren möge, die in dieser schwierigen internationalen Lage dazu berufen sind, über das Schicksal der Völker zu entscheiden.“