AUS DEN AUGEN EINES MÄDCHENS: START DES PROJEKTS ZUM ABBAU VON KOMMUNIKATIONSBARRIEREN AN ALLEN SCHULEN

Gehörlosigkeit und Identität: In den Schulen des Trentino werden Ladinisch, Zimbrisch und Fersentalerisch zu Sprachen der Inklusion

Veröffentlichungsdatum: Freitag, 10. April 2026

Beschreibung

Kommunikationsbarrieren durch die Augen eines Kindes und in den Sprachen der Heimat abbauen – das ist der Grundgedanke des von der Trienter Sektion des nationalen Gehörlosenverbands (ENS) geförderten Projekts „Guardami, voglio raccontarti una cosa ...“ (Schau mich an, ich möchte dir etwas erzählen), das nun mit Unterstützung des Regionalassessorats für den Schutz der Sprachminderheiten in die Umsetzungsphase geht.

Die Initiative beruht auf einer tiefgreifenden menschlichen Erfahrung – dem Wunsch von Alex Tondin, zu zeigen, dass die Kommunikation mit seiner gehörlosen Tochter nicht nur möglich, sondern ein Akt der Liebe und des einfachen Verstehens ist. Der Name des Projekts greift die Worte des Mädchens auf, das eines Abends zu seinem Vater sagte: „Schau mich an, ich möchte dir etwas erzählen“. Tatsächlich ist der Blickkontakt die wichtigste Voraussetzung für eine vollständige Kommunikation mit gehörlosen Menschen.

Die Kraft der Mehrsprachigkeit als Instrument der Annäherung

Das während des gesamten Schuljahres 2026-2027 laufende Projekt sieht das Anbringen von Bannern in allen 215 Grundschulen der Autonomen Provinz Trient vor. Dank der Unterstützung von Regionalassessor Luca Guglielmi werden die Inhalte ein ganz besonderes Merkmal aufweisen, denn auf jedem Banner werden auch Untertitel und Übersetzungen in den drei Minderheitensprachen der Region – Ladinisch, Zimbrisch und Fersentalerisch – zu lesen sein.  

Projektauswahl

Zur Auswahl stehen 17 von talentierten Schülern und Schülerinnen der Kunst- und Grafikschulen des Trentino gestaltete Projektvorschläge. Nur eines dieser Projekte wird ausgewählt und dann an alle Schulsprengel des Trentino übergeben.

Assessor Guglielmi erklärte: „Sich dem Thema Hörschädigung zu widmen, erfordert eine Sensibilität, die über die bloße Unterstützung hinausgeht. Es braucht Empathie und Instrumente, die die Sprache des Herzens und unserer Heimat sprechen. Trotz der kommunikativen Herausforderungen, die die Gehörlosigkeit mit sich bringt, wollen wir, dass die Botschaft der Inklusion laut und deutlich und wirklich in der gesamten Gemeinschaft ankommt. Die Aufwertung des Ladinischen, Fersentalerischen und Zimbrischen im Rahmen dieses Projekts ist nicht nur ein Akt des Schutzes einer Kultur, sondern ein Weg, das Gefühl der Zugehörigkeit in unserer tiefsten Identität zu verwurzeln. Diese Kommunikationsregeln in den Minderheitensprachen zu verbreiten bedeutet, das Trentino zum Modell einer engagierten Zivilgesellschaft zu machen, in dem Mehrsprachigkeit zur Brücke wird, die das Schweigen bricht und alle Bürger und Bürgerinnen durch den Respekt vor der Vielfalt eint.

Engagement für die Region mit einer langen Geschichte

Die 1952 gegründete Sektion des ENS im Trentino schützt und unterstützt rund 600 gehörlose Menschen, darunter 50 Kinder.

Die Organisation setzt sich täglich für die Integration und den Abbau von Barrieren ein. Dabei fördert sie die LIS (Italienische Gebärdensprache) und bietet grundlegende Dienste wie Dolmetschen, Schulbegleitung sowie die Organisation barrierefreier Kulturveranstaltungen an.

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Letzte Änderung:Dienstag, 14. April 2026