Beschreibung
Im Museo Ladin de Fascia in San Giovanni di Fassa wurde die Ausstellung „MELAURES DE LA MENDRANZES – Die Juwelen der Sprachminderheiten“ offiziell für den Besuch eröffnet. Die von der Autonomen Region Trentino-Südtirol veranstaltete und von Giuseppe Tasin kuratierte Ausstellung lädt zu einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Wert kultureller Vielfalt als tragendes Element der regionalen Identität und des heutigen Europas ein.
Das Konzept für die Ausstellung entstand durch die Zusammenarbeit der wichtigsten Einrichtungen, die sich mit dem Schutz und der Förderung der Sprachminderheiten in der Region befassen: das Istitut Cultural Ladin „Majon di Fascegn“, das Istitut Cultural Ladin Cesa de Jan, das Istitut Ladin Micurá de Rü, das Bersntoler Kulturinstitut sowie das Kulturinstitut Lusérn.
„Diese Ausstellung ins Fassatal, ins Zentrum des Sprachminderheitengebiets zu bringen, bedeutet, den von der Region eingeschlagenen Weg der Aufwertung und Bewahrung konkret umzusetzen“, erklärte Luca Guglielmi, Regionalassessor für Sprachminderheiten. „Ziel von Initiativen wie dieser ist es, unseren kulturellen und sprachlichen Reichtum nicht nur als Erbe der Vergangenheit zu begreifen, sondern als lebendige Ressource für Gegenwart und Zukunft. Kunst und materielles Kulturerbe – von historischen Trachten bis hin zu Meisterwerken der Bildhauerei und Malerei – erzählen von der Stärke einer kulturellen Vielfalt, die das tiefste Wesen unserer Autonomie ausmacht.“
Die Initiative knüpft unmittelbar an die Ausstellung „Die Juwelen der Sprachminderheiten von Trentino-Südtirol“ an, die in Trient anlässlich des ersten Regionalen Tags der Sprachminderheiten zu sehen war. Dieser Tag wurde von der Region ins Leben gerufen, um die durch das Autonomiestatut geschützten Minderheiten (Ladiner, Fersentaler und Zimbern) zu würdigen. In einer Region, die seit jeher eine Brücke zwischen dem romanischen und dem germanischen Kulturraum bildet, ist es diesen Gemeinschaften gelungen, ein einzigartiges sprachliches sowie materielles und immaterielles Kulturerbe zu bewahren.
„Wir sind stolz darauf, einer Ausstellung von solcher Bedeutung Raum geben zu dürfen, die unser Museum zu einem lebendigen Begegnungsort der verschiedenen Sprach- und Kulturgemeinschaften der Region macht“, betonte Tea Dezulian, Vorsitzende des Museo Ladin de Fascia. „Unser Haus für die künstlerischen und historischen Zeugnisse der ladinischen, fersentalerischen und zimbrischen Kultur zu öffnen bedeutet nicht nur, das kollektive Gedächtnis unserer Gemeinschaften zu bewahren und weiterzugeben, sondern dem Publikum auch eine konkrete Gelegenheit zu geben, Neues zu entdecken und in Dialog zu treten. Die hier präsentierten Kunstwerke und Traditionen zeigen, dass unsere historischen Wurzeln die Grundlage unserer heutigen Identität bilden.“
Der Ausstellungsrundgang
Der kunst- und kulturhistorische Rundgang zeigt an die 70 Werke, darunter Gemälde, Holzskulpturen und Bronzearbeiten, sowie etwa 30 historische Plaketten aus dem Kunstbestand der Autonomen Region Trentino-Südtirol und der Sammlung des Museo Ladino di Fassa ICL „Majon di Fascegn“, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem ladinischen Kulturraum liegt. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine wertvolle Auswahl traditioneller zimbrischer, fersentalerischer und ladinischer Trachten, die von den Kulturinstituten der jeweiligen Sprachminderheiten zur Verfügung gestellt wurden.
Die Ausstellung baut auf der Überzeugung auf, dass Kunst zu den wirkungsvollsten Mitteln gehört, um das kollektive Gedächtnis zu bewahren und weiterzugeben. Das Wissen um die Vergangenheit wird dabei zu einer grundlegenden Ressource für Gegenwart und Zukunft.
Zugleich regt die Ausstellung zu einer Auseinandersetzung mit der heutigen Bedeutung kultureller Identität an. In einer von der Globalisierung geprägten Zeit zeigen Sprachminderheiten, dass der Schutz kultureller Vielfalt keine Einschränkung, sondern eine außergewöhnliche Chance für gesellschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung darstellt. Eine Sprache zu bewahren bedeutet, eine besondere Sicht auf die Welt zu erhalten; eine traditionelle Tracht zu bewahren bedeutet, das Gedächtnis einer Gemeinschaft lebendig zu halten; das künstlerische Erbe zu fördern bedeutet, die Kultur als Fundament des gesellschaftlichen Zusammenhalts anzuerkennen.
Die Ausstellung kann bei freiem Eintritt bis zum 27. August 2026 besucht werden. Öffnungszeiten: Sonntag bis Freitag von 10.00 bis 12.00 Uhr sowie von 16.00 bis 19.00 Uhr.